Rezension
Walther Menhardt
Spitze Notate
Mit dem Stift Moje Menhardt, mit der Taste Walther Menhardt
Verlag Bibliothek der Provinz 2025, 68 Seiten
ISBN 978-3-99126-389-0
Dieser schöne, bibliophile Band von Moje und Walther Menhardt ist ein Dialog zwischen Bild und Text.
Moje Menhardt ist Malerin, vierfache Mutter und Ehefrau des Autors und Physikers Walther Menhardt, der von sich behauptet, dass er Physiker geworden ist, um die Welt zu verstehen. Dabei ist er beruflich viel in der Welt herumgekommen, was noch intensiver auf die Malerin Moje Menhardt zutrifft, die in Argentinien, Brasilien, Deutschland und den Niederlanden gelebt hat.
Im vorliegenden Band Spitze Notate sind es Grafiken, die Figuren in Bewegung zeigen. Jeder Grafik ist ein lyrischer Text ihres Mannes gegenübergestellt – wobei nicht ganz klar ist beziehungsweise nicht erklärt wird, ob entweder das Bild oder der Text zuerst entstanden ist. Das kann man sich so oder so vorstellen.
Jedenfalls sind die lyrischen Notate recht bildgewaltig und voller Schwung:
„Ich bin
der Musik unterworfen.
Sie dreht mich.
Dieser Drall ist wichtig,
Drehung ist der Ursprung,
nicht
das Geflimmer da draußen.“ (S. 15)
Manchmal schimmert aus den Texten das Alter oder die Physik, dann wieder ist es reine Poesie. Beides ist aber gleichwertig reizvoll und birgt auch immer wieder Überraschungen.
„Nun geh ich fort,
…
Ich geh an einen anderen Ort.
Dort spiele ich
Andere Wandlungen.“ (S. 64)
Spitze Notate ist ein Kunstbuch und ein Poesiebuch, manchmal in sich ruhend und im nächsten Moment in einer rhythmisch leichtfüßigen Bossa-Nova-Bewegung wiegend.
Rudolf Kraus (2026)